8. März: Mehr als ein Achtungserfolg

Plaki

Sehr knappes Nein zur Thuner Altersheiminitiative

Hoher Anteil an Ja-Stimmen zeigt Wichtigkeit des Anliegens

47.5% der Thuner Stimmbevölkerung stimmen der Thuner Altersheiminitiative zu. Damit wurde die Initiative nur knapp abgelehnt. In der Verantwortungen stehen nun der Gemeinde- und Stadtrat, welche Lösungen zur Behebung der drohenden Versorgungslücke erarbeiten müssen. Die InitiantInnen werden ihr Engagement für die sichere Unterbringung betagter Seniorinnen und Senioren fortführen und fordern schärfere Kontrollen durch den Kanton.

Das Initiativkomitee der Thuner Altersheiminitiative bedauert das Scheitern der Initiative an der Urne. Dennoch zeigt der überraschend hohe Anteil von 47.5% Ja-Stimmen die Dringlichkeit des Themas Unterbringung und Pflege im Alter. Die Abtretung öffentlicher Verantwortung für die sichere Unterbringung von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren an Private führte zu zahlreichen Missständen und Problemen.

Das neue Altersleitbild der Stadt Thun zeigt auf, dass der Bedarf an Pflegeplätzen bis 2022 um 6.8% auf 805 Plätze ansteigen wird. Während es 2011 bereits 151 Plätze zu wenig gab, werden im Jahre 2022 gemäss Leitbild 202 Pflegeplätze fehlen. Diese Zahlen verdeutlichen erneut die Notwendigkeit konkreter Massnahmen. Nun sind der Gemeinderat- und der Stadtrat angehalten, nach konkreten Lösungen zu suchen, um diese Versorgungslücke zu schliessen. Das Initiativkomitee wird die Bemühungen der Behörden kritisch begleiten.

Entscheid hat Signalwirkung

Das Initiativkomitee betont die Signalwirkung auf andere Gemeinden im Kanton, die mit ähnlichen Problemen kämpfen. „Das Resultat ist sehr erfreulich und zeigt, dass unser Anliegen den Nerv der Thuner Bevölkerung getroffen hat“, sagt Hilmi Gashi, Geschäftsführer des Initiativkomitees. Eine Mitverantwortung für die Zustände im Pflegeheimbereich trägt auch der Kanton Bern, welcher sich aufgrund versorgungspolitischer Überlegungen strengeren Kontrollen widersetzt und sich so seiner Verantwortung entzieht. Die im Initiativkomitee vertretenen Organisationen und Parteien werden auf kantonaler Ebene ihr Engagement für schärfere Kontrollen verstärken.

Überraschend hoher Anteil an Ja Stimmen

Anteil an der Ablehnung der Initiative hat auch das Thuner Tagblatt, welches eine diskursive Auseinandersetzung mit den Inhalten und Anliegen der Initiative publizistisch verhinderte. Umso erstaunlicher ist der hohe Anteil an Ja-Stimmen.

Dieser ist nebst der grossen Betroffenheit, welche das Thema hervorruft, auch mit der innovativen Abstimmungskampagne des Komitees zu erklären. Die Kampagne wurde hauptsächlich durch engagierte Sympathisantinnen und Sympathisanten getragen. Dazu gehörten die breite Diskussion mit interessierten Thunerinnen und Thuner auf der Strasse, wie auch die telefonische Mobilisierung der Mitglieder der, dem Komitee angeschlossenen Organisationen für die Abstimmung.